Wer nichts tut, um Geld zu sparen, hält auch seine Uhr an, um Zeit zu sparen

Zur Kombinatorik der Produktivität

Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig, Experte für Differentielle Psychologie und Persönlichkeits­forschung

Seit einigen Jahren weisen zahlreiche Studien auf den Zusammenhang von innerbetrieblichem Klima und Produktivität hin. Diese Befunde sind branchenübergreifend, oftmals repliziert und eigentlich auch hinlänglich bekannt, führen aber (leider) nicht zu der Erkenntnis oder dem Willen, an den dafür verantwortlichen Stellschrauben auch tatsächlich zu drehen. Arbeitsklima, Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbelastung werden nur zu oft getrennt voneinander thematisiert. Eine mögliche Folge ist, dass die Implikationen aus der Analyse der Einzelbereiche nicht greifen und Entscheider von weiteren Maßnahmen – so sie diese überhaupt umsetzen – wieder abrücken. Grundsätzlich sind aber alle drei Komponenten von einander völlig unabhängig und kennzeichnen daher auch sehr unterschiedliche Arbeitnehmertypen. So könnte man annehmen, dass ein Arbeitnehmer, der zwar ein hohes Maß an Belastung wahrnimmt und auch das Arbeitsklima eher schlecht findet, dennoch eine hohe Arbeitszufriedenheit aufweist. Sie kennen so jemanden? Wahrscheinlich: Denn diese Kombination dürfte bei Führungskräften gar nicht so selten sein – sie ist aber für ein Team und möglicherweise für einen ganzen Bereich unproduktiv. Ebenso ist denkbar, dass sich ein angenehmes Arbeitsklima und eine eher geringe Belastung dennoch mit geringer Arbeitszufriedenheit verbinden. Unterforderung? Zu wenig Anerkennung oder falsche Platzierung? Was würden Sie bei der Kombination aus schlechtem Arbeitsklima, hoher Belastung und geringer Arbeitszufriedenheit erwarten? Sicherlich eine hohe Fluktuationsneigung, die in Zeiten eines sich stets verschärfenden Mangels an Fachkräften einen direkten Einfluss auf die

Produktivität eines Unternehmens ausüben dürfte. Spielen Sie ruhig auch die anderen verbleibenden Kombinationen durch! Sie werden schnell erkennen, dass alle Konstellationen grundsätzlich unterschiedliche Maßnahmen erfordern, um die Produktivität von Mitarbeitern, Teams und Führungskräften nachweislich zu steigern. Es wird also die Kombinatorik (und Messmethodik) dieser drei Aspekte dargestellt, die in eine Typologie von insgesamt acht Arbeitnehmermerkmalen mündet mit z.T. sehr unterschiedlichen Implikationen und Handlungsansätzen für Mitarbeitergewinnung und -bindung auf allen Ebenen, die an konkreten Maßnahmen exemplarisch dargestellt werden.


Über Jürgen Hennig

Prof Dr. Dr. Jürgen Hennig studierte Psychologie und Humanbiologie und ist seit 2002 Lehrstuhlinhaber für Differentielle Psychologie und Persönlichkeits- forschung an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf biologischen Grundlagen der Persönlichkeit sowie auf der Forschung zur Erbe-Umwelt-Interaktion. Prof. Hennig ist Autor von über 150 Fachartikeln in internationalen Journalen sowie mehreren Büchern und wurde mehrfach für Lehr- und Forschungsleistungen ausgezeichnet. Neben seiner universitären Arbeit geht er Tätigkeiten in der Unternehmens- und Personalberatung nach.

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